Selbst die Diva unter den Blechbläsern fügt sich ein

Von Helmut Schwarz

Beilstein. Zwischen Johann Sebastian Bach und den Beatles sind die Stücke angesiedelt gewesen, mit denen das Hohenlohe Brass Quintett sein Publikum unterhalten hat. Das Konzert im Schlosshof des Beilsteiner Hauses der Kinderkirche war hochkarätig und vergnüglich locker.

Posaunist Christof Schmidt, der mit ebenso lässiger wie charmant humorvoller Ansage durchs Programm führte, stellte das Ensemble vor: Die beiden Trompeter Kai Eppler und Matthias Eberhart, die Hornistin Sabrina Lander und Tobias Rögele (Tuba und Bassposaune). Als "das Tolle bei den Beatles" findet Christof Schmidt die Tatsache, "dass man sie nicht vorstellen muss".

Hohenloher Brass Quintett
Das Hohenlohe Brass Quintett
hat beim Auftritt in
Beilstein beeindruckt -
Die fünf Musiker setzen
sich mühelos über stilistische
Grenzen hinweg

Dafür versuchte er vom Instrument auf den Charakter der Musiker zu schließen: Den Tubist als "genügsam und pünktlich", den Hornist als "gespaltene Persönlichkeit - nicht sicher, Blech- oder Holzbläser", den Trompeter als die "Diva unter den Blechbläsern" und den Posaunisten als "stets um Ausgeglichenheit bemüht". An diesem Abend spielten einfach fünf virtuose und intonationssichere Musiker, die mit ihrem "Divertimento for Brass" mühelos alle stilistischen Grenzen beiseiteschoben und mit Schönklang und Ausdruckskraft musizierten.

Die Abschiedszugabe "The Saints Halleluja" war ein großartiges Beispiel für diese "Musik ohne Grenzen": Händels "Halleluja" im Einklang mit "When the Saints go marching in" - mitreißende harmonische und rhythmische Klangspiele.

Mit "Blues for Brass" von Richard Roblee zelebrierte das Hohenlohe Brass Quintett einen eindrucksvollen Auftritt, der das konzertante Spiel der Musiker bereits erkennen ließ. Charmant humorvoll und hintersinnig plaudernd kündigte Christof Schmidt die Stücke an. Das Lied "Bist du bei mir" von Johann Sebastian Bach, der "mit Blechbläsern eigentlich wenig am Hut hatte" erklang in dem Arrangement von Walter Beeler als moderne, jazzige Unterhaltung. Die "Sea Sketches" von Ian MacDonald erzählten die Geschichte eines Matrosen. Die nordamerikanischen Spirituals "The Battle of Jericho", "Nobody knows" und "Swing low" hat der in Uruguay (Montevideo) geborene Komponist Enrique Crespo mit südamerikanischen Elementen vermischt. Aus der "Jazz Suite Nr. 2" von Dmitri Schostakowitsch - eigentlich eher als Komponist sinfonischer Musik bekannt - spielte das Quintett "The Second Waltz".

Seine fünfsätzige Suite im französischen Stil nannte Klaus-Peter Bruchmann entsprechend "Cinq pour Cinq", fünf kurze Stücke, von denen vor allem das "Chanson" und der nicht ganz ernst zu nehmende flotte und schräge "Can Can" Eindruck hinterließen. "Hey Jude", "Yesterday" und "Ob-la-di, Ob-la-da" von den Beatles blieben auch in der Brassfassung Melodien zum Mitschwingen und heimlichen Mitsummen.

Wer kennt nicht den "Pink Panther" von Henry Mancini, den die Besucher - von Christof Schmidt animiert - tapfer schnippend begleiteten. Big-Band-Sound entfaltete das Ensemble bei dem Stück "Tuxedo Junction", das Gelegenheit bot, dem Publikum die verschiedenen Arten von Dämpfern vorzustellen. Bei dem Traditional "Amazing Grace" konnte Kai Eppler als Solo-Trompeter sämtliche Register seines virtuosen Könnens ziehen. Lebhafter Beifall und ein köstlicher Tropfen aus den benachbarten Weinbergen belohnten die fünf Musiker.

Marbacher Zeitung, 24.06.2008

 

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