Wie beim privaten Kaffeeklatsch mit dem Nachtschattengewächs
von Frank Klein
Mit ihrem neuen Programm "Nacht Schatten Gewächse" ist Stefanie Kerker seit 2007 auf Tour.
Wer bei ihrem Auftritt allerdings einen traditionellen Chanson-Abend im Stile einer Edith Piaf erwartet hatte, wurde schnell eines anderen belehrt. Kerker hat eigene Vorstellungen davon, was Liedgut im dritten Jahrtausend auszeichnet - auch wenn ihre Musik Elemente des klassischen Chansons enthält: Alltagsgeschichten, Poesie, Ironie, Satire und natürlich die Liebe.
 Stefanie Kerker
Stefanie Kerker selbst bezeichnet ihre Kunst als Chansonkabarett. Ihre Show besteht nicht ausschließlich aus den von Ralf Schuon am Klavier begleiteten Chansons, die sie mit ihrer warmen und kraftvollen Stimme vorträgt.
Dazwischen erzählt die Künstlerin immer wieder Geschichten, die sie in ihren Liedern wortgewandt aufnimmt und weiterspinnt. Und so erfährt das Publikum von der ereignisreichen Suche nach ihrem Traummann, vom Beziehungsstress ihrer Freundin und natürlich von den Ratschlägen ihrer aus Schlesien stammenden Oma, die in gewisser Weise das Gerüst der Show bilden.
Die Texte, alle von Kerker selbst geschrieben, wirken poetisch, trotzdem hat der Zuschauer, nicht zuletzt deshalb weil er häufig direkt angesprochen wird, stets das Gefühl, auf einen ganz privaten Kaffeeklatsch mit der Künstlerin eingeladen worden zu sein.
Bei ihrem Auftreten wird schnell deutlich, dass Stefanie Kerker nicht nur eine hervorragende Sängerin, sondern auch eine ausgebildete Schauspielerin ist. So hat sie etwa an der Schule für Improvisationstheater und Schauspiel in Backnang studiert. Wahrend sie erzählt, streut sie immer wieder rhetorische Pausen ein und unterstreicht ihre Texte mit expressiver Gestik.
Während ihres Auftritts vermittelt sie eine große Bandbreite an Emotionen: Sie wirkt frech, verklemmt, selbstbewusst, trotzig, mutig, ängstlich, melancholisch, optimistisch, altbacken und jugendlich zugleich. Im Zusammenspiel mit Ralf Schuon trägt sie leise, nachdenkliche Töne und Melodien vor, nur um im nächsten Augenblick zu beweisen, dass Stimme und Klavier ausreichen, um einen Saal zu rocken.
Zum Schluss geht auch die Prophezeiung ihrer Oma in Erfüllung, nachdem sie drei Nächte hintereinander davon geträumt hat, ihren Traummann mit den blauen Augen in einer Bäckerei zu treffen: "Wenn Du in drei aufeinander folgenden Nächten das gleiche träumst, ruft das Schicksal", hatte die ihr erzählt. Da macht es nichts, dass der Auserwählte Bäcker ist und sich schon beim zweiten gemeinsamen Brötchen herausstellt, dass er nur in Schwarz-Weiß träumt. Denn auch in einem solchen Fall wusste die Oma Rat: "Isst Du vor dem Schlafengehen ein Stück Schokolade, träumst Du in Farbe."
Ludwigsburger Kreiszeitung, 10.02.2009
www.stefanie-kerker.de
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