Mundartlicher Genuss vom Cannstatter Schwaben

Von Luzia Grimm

Beilstein. Das Thaddäus-Troll-Lesekonzert im Beilsteiner Rathauskeller ist für das Publikum ein Genuss gewesen. Es stimmte alles: die Rezitation, das Porträt des Dichters und Menschen, das Eleonore Lindenberg zeichnete, und das Akkordeonspiel von Michel Biehler.

Martin Hinze
Martin Hinze rezitiert im
Beilsteiner Rathauskeller
Thaddäus Troll

Es war ein Samstagabend, der an Köstlichkeit nur schwer zu überbieten ist. Dabei ist die Idee für das Thaddäus-Troll-Lesekonzert erst vor vier Wochen am Stammtisch geboren worden. Das hat Isolde Kuny vom Kulturverein oberes Bottwartal verraten. Der Verein hat den Abend in Szene gesetzt.

"Er bringt die Worte zum Leuchten", hat einmal jemand über Hans Bayer, besser bekannt als Thaddäus Troll, geschrieben. Eleonore Lindenberg, die 14 Jahre lang bis zu Trolls Freitod im Jahr 1980 seine Sekretärin war, hat diese Worte zitiert. Sie hat im Rathauskeller ein wunderbares Porträt über den Menschen Thaddäus Troll gezeichnet, in dem selbst Troll-Kenner noch viel Neues erfahren konnten.

Bayer wuchs im Stadtteil Bad Cannstatt als Sohn einer Familie auf, die in der Marktstraße ein Seifensiedereigeschäft betrieb. Nach einer kurzen Volontärszeit bei der Cannstatter Zeitung studierte er in Tübingen, München, Halle und Leipzig Germanistik, Kunstgeschichte, vergleichende Literaturwissenschaft sowie Theater- und Zeitungswissenschaft. Ein Kompliment hat Eleonore Lindenberg dem Rezitator Martin Hinze gemacht. Er halte dem Vergleich mit einem Staatsschauspieler stand, bloß habe sie bei diesem den schwäbischen Unterton vermisst. Hinze ist ein Eigengewächs des Kulturvereins, Beilsteiner und von Haus aus Ingenieur. Dass er Schwäbisch in Stuttgart gelernt habe, tat er schon gleich zu Beginn kund. "Ich liebe Troll", hat er später in der Pause verraten.

Entrückt aus dem Alltag fand sich der geistreiche Cannstatter Troll in seiner Schwäbischen Weinprobe, in der auch die Grafen Adelmann und Bentzel-Sturmfeder samt einer Hohenbeilsteiner Trockenbeerenauslese vorkommen. Um entrückt zu sein beim Thaddäus Troll-Lesekonzert, hat es keines Weines bedurft. Vortrag und Musik, die angeregt schienen von der Dichtkunst, genügten. Ab und zu schien es, als lächle selbst Troll wohlgefällig von seinem gerahmten Porträtfoto aus der Kellerstufen-Kulisse herab.

Es hätte ihm sicher gefallen, was Michel Biehler auf seinem Akkordeon an Melodien gezaubert hat. Bei "Rosenstock, Holderblüt" und Widele, Wedele" summten die Troll-Entrückten im Rathauskeller mit. Und als von Grafen und Herzögen die Rede war, erklangen mittelalterliche Weisen. Biehler ist ein Franzose aus dem Elsass, den es nach Ludwigsburg verschlagen hat. Dort hat ihn der Kulturverein oberes Bottwartal für sich entdeckt. "No miasset mer halt ens Elsass nüber", heißt es in "O Heimatland", in dem Troll gradraus Architekten, Kleinkarierte und "Liadriche" dafür verantwortlich macht, was sie aus dem Schwobaland, dem Herrgott seim Paradiesgärtle, gemacht haben.

"O Heimatland" nannte Troll auch sein Buch voller Verse in schwäbischer Mundart, bei denen jedem Schwaben das Herz aufgeht. Manchmal bleibt einem auch die Luft weg, weil er eben so saugrob wie zärtlich werden kann, wie Schwaben halt nun einmal sein können.

Marbacher Zeitung vom 4. Dezember 2007

 

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