Yazzango überzeugt mit eigenem Musikstil

Von Andrea Opitz

Oberstenfeld. Einen besinnlich-feurigen Ohrenschmaus hat das Duo Yazzango am Samstagabend auf Einladung des Kulturvereins Oberes Bottwartal im Stiftskeller geboten. Bill Bergelt und Karin Eckstein haben Jazz, Klassik und Tango als symbiotischen Musikstil präsentiert.

Bill Bergelt und Karin Eckstein
Das Duo Bill Bergelt und
Karin Eckstein lockt rund
70 Zuhörer in den
Oberstenfelder Stiftskeller

Damit, dass rund 70 Musikliebhaber jeden Platz des Stiftskellers füllen, habe er nicht gerechnet, freute sich der Pianist Bill Bergelt am Samstag. Gemeinsam mit Karin Eckstein bietet er ein außergewöhnliches musikalisches Erlebnis, bei dem konzentriertes Zuhören gefragt ist.

Den Tango in seiner Urform hört das Publikum beim Konzert mit dem Duo Yazzango nicht. Vielmehr vereinen die beiden Musiker folkloristische Klassik, experimentellen Jazz und feurigen Tango zu einer Einheit und zu einem eigenen Musikstil, bei der die Lebenslust genauso zum Ausdruck kommt wie die Melancholie. "Die ist schließlich ebenfalls Teil des Lebens, erklärt Bergelt. Der perlende Klang des Flügels und die temperamentvolle Resonanz des Bandoneons transportieren den Sound der eigenwilligen Musikstücke auf eine perfekte Art und Weise. Die professionelle Virtuosität und die akzentuierte Rhythmik faszinieren die Musikliebhaber im Stiftskeller.

Das Bandoneon spielt die Hauptrolle bei Yazzango. Die Großmutter des eigenwilligen Instruments, die Konzertina, sei in seiner Urform 1850 erstmals im Erzgebirge gebaut worden, informiert Karin Eckstein. Zusammen mit den Auswanderern sei es nach Argentinien gelangt. Man habe entdeckt, dass sich das Bandoneon hervorragend zum Tango-Spielen eigne. Heute zählt das Bandoneon als die "Stimme des Tango Argentino".

Dass das seltene Instrument, das auf den ersten Blick einem Akkordeon ähnelt, den Tonumfang einer Kirchenorgel hat, zählt eindeutig zu seinen Vorzügen. Allerdings sei es nicht einfach, das System des Bandoneons zu durchschauen, erklärt die passionierte Spielerin. Denn die unlogisch angeordneten Knöpfe erzeugen je nach Druck oder Zug einen anderen Ton.

Karin Eckstein studierte sechs Jahre lang bei Maestro Juan José Mosalini am Konservatorium Gennevilliers bei Paris. In Argentinien knüpfte sie Kontakte zu legendären Bandoneonspielern und vertiefte ihr Können.

Bekannt wurde sie durch zahlreiche Engagements als Solobandoneonistin bei renommierten Staatstheatern und Orchestern. Auch in Film- und Fernsehproduktionen hat Eckstein mitgewirkt.

Bill Bergelt machte sich vor allem durch die New-Jazz-Formation Bill Bergelt Brikett in den 1980er Jahren einen Namen. Seine Kompositionen sind unter anderem durch Musiker wie Chick Corea und Keith Jarrett stark beeinflusst. Zurzeit präsentiert sich der Pianist auch als Performance-Lyriker mit seinem aktuellen Programm "Piano und Poesie" in der Kulturszene.

Marbacher Zeitung vom Montag den 25.02.2008

 

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