Vier junge Männer und ihre alltäglichen Nöte und Sorgen
Von Frank Klein
Oberstenfeld. Um glücklich zu sein, braucht's nicht viel: Nur vier Mikrofone, um genau zu sein. Das trifft zumindest auf die vier Mitglieder der A-Cappella-Gruppe Mund-artmonika aus Neckarsulm zu. Am Samstagabend traten sie im Stiftskeller auf und begeisterten dort etwa 120 Zuschauer.
Fast ausverkauft war der Stiftskeller: das Bandprojekt, das einst in einem dunklen Keller geboren wurde, hat mittlerweile weit über Neckarsulm hinaus Anhänger gefunden. Von der Urbesetzung sind Martin Renner (Bass), Robert Wanek (Bariton) und Timo Mühlbacher (Countertenor) übriggeblieben.
Später stieß Christian Schmierer (Tenor) zu der Truppe. Als einziges Bandmitglied kommt er nicht aus Neckarsulm, sondern aus dem schönen Hirrweiler, was bei seinen Kollegen für reichlich Spott sorgt. Schließlich ist Hirrweiler nicht gerade der Nabel der Welt. Schmierer lässt sich von den höhnischen Bemerkungen allerdings nicht beeindrucken, hat die langen und einsamen. Autofahrten von Neckarsulm in seinen Heimatort irgendwo hinter den Löwensteiner Bergen selbstironisch in einem Lied ("That lonesome Road") verarbeitet.
 Selbstironisch und leidenschaftlich: Mundartmonika. Foto: Ramona Theiss
Diese Selbstironie ist durchaus charakteristisch für das stimmgewaltige Quartett: Ihr Spott macht vor nichts und niemandem Halt - am wenigsten vor ihnen selbst. Häufig schreiben sie deutsche Texte und singen diese über alt-bekannten Melodien wie ?Ella, elle l'a? von France Gall.
Dabei thematisieren die jungen Musiker die Nöte und Sorgen ihres Alltags. Verschluckte E-Gitarren etwa, erlittenes Mobbing in der Vorschule, Probleme mit Frauen oder ihre permanente Finanzkrise, die wiederum dem Einkaufsverhalten ihrer Freundinnen geschuldet ist.
Ursprünglich entstand Mundartmonika bei einer Musical-Arbeitsgemeinschaft während der gemeinsamen Schulzeit. Man merkt den Sängern an, dass sie sich schon lange kennen und keine "Retortenband" sind, die aus karrierestrategischen Überlegungen heraus gegründet wurde. Die jungen Männer sind sympathisch und nehmen sich selbst gerne auf die Schippe. Das kam beim Publikum gut an, das ebenfalls ins Fadenkreuz des Spotts geriet, etwa als das Quartett "zielgruppengerechte" Schlager à la "Blau blüht der Enzian" sang. "Ich bin mittelmäßig entsetzt, das funktioniert immer. Sogar der Lichttechniker singt mit", wunderte sich Martin Renner angesichts der zugkräftigen Schlagernummern.
Mit Vorliebe spielt Mundartmonika auch mit seinem Image als vermeintlicher Weichspüler. So sang die Gruppe unter anderem einen Song der, Heavy-Metal-Band Metallica, selbstverständlich die emotionale Ballade "Nothing else matters".
Wirklich harte Jungs werden sie in diesem Leben nicht mehr. Wollen sie auch gar nicht. Wichtiger ist ihnen, eine gute Zeit zu haben und ihr Publikum zu unterhalten - und das gelang ihnen beim Auftritt im Oberstenfelder Stiftskeller beeindruckend.
Ludwigsburger Kreiszeitung, 07.06.2011
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